Verabredungen

Im Alltag fällt mir auf, dass Verabredungen zum Spazierengehen selten angenommen werden. In der Klinik war das einfacher – die meisten waren bereit, ja sogar froh, eine gemeinsame Bachrunde zu laufen.

Warum fällt es Menschen schwer, eine kleine gemeinsame Runde zu drehen? Ganz ohne Erwartung, nur um gemeinsam zu schweigen oder zu reden mit jemandem, der mitgeht.

Mit Freunden aus der Klinikzeit ist es ganz einfach anzuknüpfen und ein wenig Alltag zu teilen. Es ist nichts Kompliziertes dabei, es passiert nichts weltbewegendes, es tut nicht weh. Einfach schön.

Diese Einfachheit können sich andere Menschen scheinbar nicht vorstellen. Sie können nicht begreifen, dass das schon alles ist und dass gerade diese Schlichtheit das Wesentliche ist.

Für mich ist es ein Grundbedürfnis, Menschen nahe zu sein und in Beziehung zu gehen, ohne Erwartungen. Ich habe den Eindruck, dass bei den Menschen, die ich danach frage und die mich nicht kennen, eine Erwartung entsteht, dass etwas geschehen müsste. Dabei ist das Spazierengehen schon alles, was geschieht.

Natürlich könnten wir uns gegenseitig besser kennen lernen und Erfahrungen austauschen und neugierig nachfragen und auf Entdeckungsreise gehen und die Natur erfahren.

Das alles kann sich ereignen, ist aber nicht die Hauptsache. Einfach gemeinsame Zeit zu teilen und eine kurze Strecke laufen ist schon alles.

Meistens gehe ich allein und genieße die Bäume, den Sonnenaufgang oder -untergang, die Vögel und was gerade so blüht und riecht.

Und ich frage immer mal wieder: „Magst Du eine kleine Runde mit mir gehen?“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.